Neuseeland West Coast: Harihari – Punakaiki

Nach dem ersten Höhepunkt Okarito geht die Fahrt entlang der wilden Küste weiter, Richtung Norden und somit Wärme. Da wir weder einen festen Fahrplan noch sonderlich sportliche Ambitionen haben, radeln wir recht gemütlich die Küste hoch und bleiben, wo es uns gefällt – in einer alten Kirche, in Hoki(tika), und in Punakaiki.

 

Harihari – Old Church – Ross
Trotz einer denkwürdig skurrilen Demonstration auf der Hauptstrasse (ja, es gibt auch noch eine Nebenstrasse) – zwei glacé-schleckende Leute, welche eine in Gold geschriebene hebräische Flagge die Strasse entlang zogen und offenbar versuchten, eine Grossfamilie von Maoris, zu deren bassen Erstaunen und grosser Belustigung, zu konvertieren – gefiel es uns in Harihari nicht sonderlich; wir fuhren in der Hoffnung auf eine warme Mahlzeit weiter. Einmal mehr hatten wir damit aber die Öffnungszeiten der Westküste überschätzt, die Türen des auf Opossum spezialisierten Lokales waren bereits geschlossen, und es blieb uns nichts anderes übrig als nochmals weiter zu fahren… Zum guten Glück, wie sich herausstellen sollte, denn so landeten wir im «Old Church» Backpacker, etwa 17 Kilometer vor Ross. Ein wunderschönes Haus, genauer gesagt eine alte, liebevoll erweiterte und ausgestattete Kirche, mit toller Kücheneinrichtung, direkt am Kakapotahi Fluss gelegen, am Abend ein riesiges Kaminfeuer, dessen Wärme locker bis zur kuscheligen, im ehemaligen Altarraum gelegenen Leseecke reicht – hätten wir mehr zu Essbares dabei gehabt (oder wären motorisiert gewesen), wären wir wohl einige Tage länger geblieben, auch da es in der Nacht dann ziemlich ausgiebig zu Regnen begonnen hatte und die Weiterfahrt nur mässig lockte.

Hokitika
Im putzigen, teilweise an den amerikanischen Wilden Westen Marke «Bonanza» erinnernden Städtchen Hokitika blieben wir dann ein paar Tage, um ein Taonga aus Knochen zu schnitzen beziehungsweise im Internet schon länger anstehende Arbeit zu erledigen. Auch hier übernachteten wir in einem sehr angenehmen und empfehlenswerten Backpacker, dem «Songbird», dessen immer zu Spässen aufgelegten Besitzer für eine sehr kommunikative, erfreulich über das übliche banale Rucksacktouristen-Unterhaltungsniveau (so in der Sorte «Hast Du den Fox Glacier schon gemacht?») hinausgehende Atmosphäre sorgen.

Gleich über der Strasse beim Songbird erstreckt sich der Strand, an dem, wie fast überall an der Westküste, das Meer nicht sonderlich zum Baden einlädt oder geeignet ist, da es einfach zu wild und unberechenbar (ganz zu schweigen von kalt) ist, was dazu führt, dass bis zum Horizont reichende Strandgebiete häufig vollkommen menschenleer und mit grossen Mengen Treibholz übersät sind.

 

Punakaiki
Nach einer Nacht im wenig attraktiven Ort Greymouth endete unsere Westküstenfahrt schliesslich formvollendet in Punakaiki: das Wetter zeigte sich von der allerbesten Seite, mit kräftig wärmender Sonne und entsprechend blendendem Meer und Sonnenuntergängen in Technicolor, die Vegetation beginnt hinter Greymouth merklich vom Schönen (Regenwald) zum Guten (subtropischer Regenwald) zu ändern, indem immer mehr Palmen zwischen den Bäumen hervorstehen (mein Motto:  «Kein Ort, an dem Palmen wachsen, kann ganz schlecht sein»), die berühmten «Pancake Rocks» sind ansehnlich (wenn auch unglaublich überlaufen), und die Felswand gleich hinter dem Backpacker könnte jederzeit für «Jurassic Park» als Kulisse herhalten – vorzugsweise vergisst man allerdings zumindest vorübergehend, dass dies ein Erdbebengebiet ist, vor allem während man in einer der gleichzeitig eindrücklich wie bedrückend grossen Höhlen nach Glowworms, nach Glühwürmchen, Ausschau hält.

 

Fox River Caves
Auf einen Tip des lokalen DOC hin beschliessen wir, zum Abschluss unserer Westküste-Tour einen Abstecher nach Norden, zum Fox River, zu machen, um dort die bekannten Fox River Caves zu besuchen. Nach der landschaftlich enorm schönen, an Big Sur in Kalifornien erinnernde Strecke sind wir nicht schlecht erstaunt, völlig zufällig am Fox River auf einer alten Brücke einen allmonatlich abgehaltenen Markt aufzufinden. Der dort erstandene selbstgemachte, geräucherte Gouda ist – nach den kulinarischen Entbehrungen der vorangegangenen 2 Wochen – eindrücklich in Erinnerung geblieben.

Der Wanderweg durch Urwald und Fluss bis zu den Höhlen wie auch die Höhlen selbst lohnen den Besuch unbedingt. Wie an vielen Orten in Neuseeland braucht es dank der unberührten Natur nur wenig Phantasie, um sich gleich hinter der nächsten Felswand ein unentdecktes Jurassic Park mit lebenden Sauriern vorzustellen.

Die Rückfahrt vom Fox River nach Punakaiki dann war, wiederum recht unerwartet, ein weiterer Höhepunkt der ganzen Tour. Aus nicht ganz klaren Gründen waren wir beide ob der schönen Wildheit der Landschaft und den tollen Abfahrten völlig euphorisiert – ein toller Abschluss.

Am nächsten Tag dann packten wir die Räder auf einen Bus und fuhren nach Nelson.